26.12.2009 - 28.12.2009 Bianca Dugaro (*1979, lebt und arbeitet in Basel und Biel) 

ABBILDER 2008, 7 Farbfotografien unter Acrylgas, 70 x 80 cm

Die 2008 entstandene Serie „Abbilder“ zeigt Spiegelungen betrachtender Menschen. Die Umrisse der Figuren auf den Fotografien verschwimmen mit dem diffusen Hintergrund. 

In den „Abbildern“ selbst gibt es eine weitere Dimension der Abbildung, nämlich die des Betrachters. Im Acrylglas, das die Fotografien schützt, spiegelt sich Dieser wider. In den meisten Ausstellungshäusern werden solche Reflexionen durch eine spezielle Verglasung der Werke vermieden, hier jedoch ist sie geplant.

So wird die reine Fotografie zur interaktiven Installation, in welcher sowohl der Raum als auch der Betrachter eine Rolle spielen. Die Konturen der eigenen Spiegelungen sind genauso schemenhaft und undeutlich, wie diejenigen der Fotografierten. Beide Seiten schauen aufmerksam. Wer definiert wen? Das Subjekt das Objekt oder das Objekt das Subjekt?

Vor den Fotografien von Bianca Dugaro wechselt der Rezipient vom Objekt zum Subjekt, das betrachtet und zugleich betrachtet wird. 

01.01. 2010 - 03.01.2010 Mirjam Kradolfer (*1979, lebt und arbeitet in St. Gallen)

ALTERIERTE PORTRAETS (August Sander) 2007, Arzt, Bauer, Bildhauerin, Braut, Bürgerkind, Fahnenjunker, Gemeindeschwester, Kölnerin, Komponist, Kunstreiter, Lehrerin, Leibstandarte, Musikstudentin, Porzellanmalerin, Staatsanwalt, Theaterkritiker, Toni van Eyck, Verfolgte, 18 Lambdaprints auf Alu Dibond, ca. 23 x 17 cm

Die Künstlerin nahm sich die weltbekannte Ikone der Fotografie: Menschen des 20. Jahrhunderts des deutschen Fotografen August Sander (1876-1964) für ihr Werk zur Vorlage. Mit dem 1924 entworfenen Projekt verfolgte Sander über Jahrzehnte hinweg das Ziel, ein Querschnitt der damaligen Gesellschaft abzubilden. Was hier einer Typologisierung nahe kommt wird von Mirjam Kradolfer hinterfragt.

Sie macht sich Sanders Fotografien zueigen und ersetzt alle Gesichter durch ihr eigenes. Wenn es um die blosse Erscheinung geht, kann man eine Verfolgte sein, aber gleich im nächsten Moment ein Komponist. Doch was bleibt in diesen Rollen, Klischees, den ganzen Verkleidungen vom "nackten" Selbst? Dies interessiert die Künstlerin: "... nicht das Rollen- und Maskenspiel  stehen für mich im Vordergrund, nicht der Wandel, sondern was durch alle Rollen und Masken hindurch unvergänglich bleibt."

08.01. 2010 - 10.01.2010 Denis Handschin  (*1981, lebt und arbeitet in Basel)

DA 2010, Mixed media

Der in Basel beheimatete Künstler Denis Handschin arbeitet meist ortsspezifisch, installativ und konzeptuell. 

Für die Ausstellungsreihe in IRBIS beschäftigt sich der Künstler mit dem Element Wasser und dessen Aggregatszuständen. In diesem Kontext untersucht er den Identitätsbegriff in erster Linie auf sich bezogen. Eine Probe des Wassers aus der Flasche, die er einen Tag lang bei sich trug, wird Denis Handschin beim Gefrieren, mikroskopisch vergrössert, fotografieren. Die daraus entstandene Fotografie des Eiskristalls soll die Wasserflasche kennzeichnen, aus der das Wasser entnommen wurde. 

In der künstlerischen Umsetzung der Versuchsreihe stossen sogenannte Parawissenschaften und anerkannte Naturwissenschaften aufeinander. An deren Schnittstellen siedeln sich die verschiedensten parawissenschaftlichen Ansätze an. Oft werden sie herangezogen, um tiefere Erkenntnis über das eigene Sein zu erlangen und um sich der eigenen Individualität zu versichern. Handschin möchte sich mit seiner Arbeit zwischen diesen beiden grossen Denklagern positionieren und den Betrachter mit einer neutralen Präsentation seiner Ergebnisse konfrontieren.

05.02. 2010 - 07.02.2010 Franticek Klossner (*1960, lebt und arbeitet in Bern)

MELTING SELVES 2010, performative Installation

Der in Bern lebende Künstler Frantiček Klossner (*1960) bezeichnet sich als Intermedia- oder Transmedia-Künstler. Eine zentrale Thematik in Klossners Werk widmet sich dem menschlichen Körper als Repräsentant von Identität. In experimentellen Installationen untersucht er in poetischer Weise die Wechselwirkungen zwischen Individuum und Gesellschaft. Wie es der Künstler formulierte: "Ein Individuum gibt es nicht, wir sind flüssige Identität. Jede Arretierung ist sinnlos, Zeit ist Formveränderung." Es gibt keine Form ohne Deformation.

Seine gefrorenen Büsten durchlaufen verschiedenste Aggregatzustände von der rauhreifbeschlagenen, vor Kälte dampfenden Ausgangslage bis zum abgeschmolzenen sich verflüssigenden Nichts; vom figurativ naturalistischen Abbild über die verschiedenen Stufen der Abstraktion und Deformation bis zur vollkommenen Auflösung.

Lufttemperatur und Wetterlage  des Engadiner Winters werden den Verlauf der Ausstellung und die performative Entwicklung der eisigen Körper-Abbilder in unvorhersehbarer Weise mitbestimmen. 

12.02.2010 Saskia Edens (*1975, lebt und arbeitet in Basel)

BREATH erstmals 2008 am Festival Diverse Universe in  Pärnu, Estland

Die Performance "Breath"  der aus Genf stammenden Künstlerin Saskia Edens visualisiert auf eindrückliche Weise natürliche menschliche Vorgänge. Atem, Wärme wie auch Kälte, und Vertrauen wie auch Unsicherheit spielen gleichermassen eine bedeutende Rolle. Gemeinsam mit dem Publikum möchte sie das Eis brechen und den Durchbruch wagen.

12.02. 2010 - 14.02.2010 Stefan Baltensperger (*1976, lebt und arbeitet in Zürich)

BALTENSPERGER.STERBENDEPIXEL 2009, multimediale Installation

Die Arbeit baltensperger.sterbendepixel von Stefan Baltensperger ist ein digitalisiertes Selbstporträt und ein Computercode, geschrieben in "baltensperger", einer vom Künstler geschaffene Programmiersprache.

Jede Viertel Stunde wird die Bildinformation eines Pixels vom Computerprogramm unwiderruflich gelöscht. Dadurch wird ein Jahr nach den statistisch berechneten Todestag des Künstlers vom ursprünglichen Bild nichts mehr vorhanden sein. Nach dem "Tod" des Bildes bleibt lediglich dessen Code erhalten, der in "baltensperger" geschrieben ist.

Mit "baltensperger" hat der Künstler eine Programmiersprache, in seinem persönlichen, gesprochenen Dialekt, geschaffen. Entgegen der allgemeinen Tendenz zur Vereinheitlichung und Normierung, setzt der Künstler dieser eine individuelle Sprache entgegen. 

Den Computercode versteht Baltensperger als Inbegriff einer modernen und genormten Sprache. Mit "baltensperger" entzieht er ihm seiner Bestimmung, global und funktional zu sein, verabreicht ihm dafür einen Teil seiner persönlichen und lokalen Identität.

19.02. 2010 - 21.02.2010 Alejandro  Roquero (*1982, lebt und arbeitet in Basel)

CE N`EST PAS LA SUISSE 2010, Installation Mixed Media.

Bis zur Ununterscheidbarkeit treibt Alejandro Roquero das Verhältnis von Fiktion und Wirklichkeit in diesem Projekt.  In einer Mischung aus Realität und Fiktion lässt er den Betrachter selbst entscheiden was für ihn die Schweiz sein mag.

Der Kerngedanke von Ce n`est pas la Suisse ist die Teilauflösung der nationalen Identität zu Gunsten einer transnationalen. Mit der mimikryhaften Nachahmung einer Bewegung, durch deren mediale Erzeugnisse,  erschafft er eine neue Wirklichkeit. Genau wie der aufkommende Nationalismus des 19. Jahrhunderts bedient sich Alejandro Roquero des Bildes. In seinem speziellen Fall benutzt er vorwiegend die Fotografie, in der er selbstgeschaffene Wirklichkeiten durch Manipulation und Inszenierungen darstellt. In diesen dokumentarisch anmutenden Bildern finden sich neu geschaffene Symbole, Fahnen und  Ereignisse.

Für die Ausstellung "Eingefroren, Festgehalten? Von der Vergänglichkeit der Identität" beschäftigt er sich mit Schrifterzeugnissen und Ausblidungsmaterial und ihre Bedeutung für die Wahrnehmung der kulturelen Welt.